Was dahinter stecken kann, wenn Banken bestimmte Anlagen empfehlen


Retten Sie Ihr Geld vor der Politik, den Banken und dem grauen Kapitalmarkt


Auszug aus der Sonderveröffentlichung von Dr. Erhard Liemen
"Das Kartell der Vermögens-Vernichter"

 

 


Ein Geschäftsfreund sagte mir vor Jahren: „Ich gehe gern zu meiner Bank, um dort über mein Wertpapier-Depot zu sprechen. Anschließend gehe ich nach Hause und mache regelmäßig das Gegenteil von dem, was man mir geraten hat. Mit dieser Strategie bin ich bisher immer gut gefahren.“


Dieses Gespräch fand Ende der 90er Jahre statt. Also kurz bevor die Aktien weltweit auf Talfahrt gingen. So gut wie alle Anleger haben bis 2002 mit Aktien oder Aktienfonds viel Geld verloren. Hauptgrund damals: Die jungen, meist unerfahrenen Wertpapierberater der Banken hatten die Risiken von Aktien grob fahrlässig unterschätzt.


Auch der Börsencrash von 2008 ist im Wesentlichen auf die Banken zurückzuführen. Nachdem erkannt worden war, wie hoch der tatsächliche Abschreibungsbedarf aufgrund gigantischer Fehlspekulationen war, begannen die Banken damit, sich untereinander kein Geld mehr zu leihen. Der sogenannte Interbankenhandel kam zum Erliegen. Hedge-Fonds wurden die Kredite gekündigt. Liquidität musste her – um jeden Preis. Hedge-Fonds, Versicherungen und auch die Banken warfen ihre Aktienbestände ohne Rücksicht auf Verluste auf den Markt. Im Oktober 2008 brach Panik aus. Weltweit gingen die Aktienbörsen auf Talfahrt.


Sollten Sie sich fragen, warum die Banken ihre Kunden vor Kursverlusten nicht gewarnt haben, hier die Antwort:


Anleger sind selbst schuld, wenn sie Bankentipps glauben und befolgen. Warnpflichten ergeben sich nur, wenn das mit einem Kunden ausdrücklich vertraglich vereinbart worden ist. Wer den Banken eine unzulässige Verfolgung von Eigeninteressen vorwirft, muss das zur Überzeugung der Gerichte beweisen. Was Außenstehenden bei bankinternen Vorgängen bisher kaum möglich gewesen ist.


Vor allem sollten Sie immer bedenken, dass Bankberater Umsatz machen müssen. Seit der Euro-Einführung haben Banken die Umsatzvorgaben teils verdoppelt. So betreuen etwa bei den Groß- und exklusiven Privatbanken einzelne Berater Depotvolumina zwischen 50 Mio. und über 100 Mio. €. Die Vorgabe lautet, auf diese Summen 1 bis 1,6 % Provisionen pro Jahr zu erzielen. Anleger müssen deshalb zu Umsatzbringern umfunktioniert werden. Die Folge:


Ein erfolgreicher Bankberater muss Ihnen Produkte mit einem hohen Agio verkaufen. Nur so kann er seine Zielvorgaben erfüllen. Schafft er das nicht, entfallen für ihn Sonderzahlungen oder Leistungsboni. Möglicherweise wackelt sogar der Arbeitsplatz. Mit Kunden, die nur in Aktien, Renten oder Festgeld anlegen, lässt sich einfach nicht genug verdienen.


Mit vielen Tricks wird deshalb versucht, Sie von den Chancen bankeigener Produkte zu überzeugen. Gelingt das, verdient die Bank auf jeden Fall. Sie als Anleger können dagegen ganz schnell zum Unglücksraben werden.


Viele Finanzinnovationen sind so gestrickt, dass sie ein normaler Anleger kaum noch versteht. Zur gewollten Verwirrung tragen auch die englischen Namen bei. Da jede Bank hier tun und lassen kann, was sie will, wird die Vergleichbarkeit erschwert.


Stellen sich solche Produkte als Enttäuschung heraus, empfehlen die Banken kurzerhand andere Papiere. Häufig verdienen sie dabei nicht nur mit der Herausgabe Geld, sondern sind zugleich am Handel beteiligt. Bei Zertifikaten werden die Laufzeiten ständig verkürzt, um dann bei Fälligkeit erneut Umsätze zu machen. Rutschen Bonuszertifikate unter das Sicherheitsnetz, fällt für die Anleger der Bonus weg. Die Zertifikate sind ertraglos, die Dividenden streichen die Banken ein. So einfach funktioniert das – und doch fallen Anleger noch immer darauf herein.


Was Banken alles tun, um Schadenersatz-Ansprüche abzublocken


Fragt die Bank nach der Risikoneigung, habe ich meinen Lesern schon immer geraten, sich als „konservativ“ einstufen zu lassen. Versäumt hatte das im Jahr 2000 eine Steuerberaterin, die sich selbst nicht länger um das Management ihrer Aktien kümmern wollte. 580.000 DM legte die Steuerberaterin zur professionellen Verwaltung durch die Bank an. Der Verwendungszweck: Altersvorsorge.


Da sie sich nicht als „konservativ“ hatte klassifizieren lassen, legte die Bank auch am Neuen Markt an. 95 % hatten diese Anlagen Anfang 2003 verloren. Insgesamt betrug der Verlust bei der Depotverwaltung über 60 %. Das einzige Entgegenkommen, zu dem sich die Bank bereit erklärte: Ausnahmsweise wollte sie auf die Vermögensverwaltungsgebühr verzichten.


Wie Banken in der Vergangenheit getrickst haben


Ganz generell sind viele Bankberater die Beratungs- und Informationsbogen mit Kunden bisher nur flüchtig durchgegangen. Dabei wurden die Bogen von Beratern teils selbst ausgefüllt und von Anlegern dann „blind“ unterschrieben. In anderen Fällen wurden die Risikoklassen gegen die Interessen von Kunden viel zu hoch angesetzt. Mit der Begründung, dass bei konservativer Anlage die besten Produkte nicht gekauft werden dürften. In vielen Fällen sind an sich begründete Schadenersatzansprüche dadurch gescheitert, dass das Kreuz im Beratungsbogen an der falschen Stelle auftauchte.


Seit November 2007 sind die Bankberater zur größerer Sorgfalt und mehr Transparenz verpflichtet worden. Dafür sorgt die neue EU-Richtlinie MiFID (Markets in Financial Instruments Directive), die für eine umfassendere Anlageberatung sorgen soll. Als Anleger haben Sie danach folgende Rechte:


  • Die Bank ist verpflichtet, Ihre Aufträge bestmöglich auszuführen.
  • Sie haben als Kunde das Recht, schon vor dem Aufgeben einer Wertpapierorder Auskunft über die genaue Höhe von Gebühren und Provisionen zu bekommen. Auch Geld- und Briefkurs des georderten Wertpapiers muss Ihnen die Bank vor Aufgabe einer Order mitteilen.
  • Die Bank muss Ihnen offenlegen, nach welchen Prinzipien sie eine Wertpapierorder ausführt, wenn Sie nichts weiter bestimmen. Wenn Sie also etwa keine Angabe zum Handelsplatz machen, muss die Bank Ihnen sagen, wo sie das georderte Wertpapier dann kauft.
  • Die Bank muss Ihnen auf Nachfrage mitteilen, welche Provisionen und Rückvergütungen sie erhält, wenn sie Ihnen bestimmte Anlageprodukte verkauft. Vor allem bei Fonds sind solche Rückvergütungen (sogenannte Kickbacks) allgemein üblich, jedoch haben die Banken ihren Kunden die Höhe dieser Provisionen meist verschwiegen.
  • Die Bank muss Sie darauf hinweisen, wenn Interessenskonflikte bestehen, wenn also in Bezug auf ein Wertpapier oder eine Anlagestrategie die Interessen der Bank von Ihren Interessen als Anleger abweichen.
  • Zudem verpflichtet die MiFID die Banken, nicht nur hauseigene Produkte zu vertreiben, sondern die Kunden beispielsweise auch auf Fonds von Investmentgesellschaften aufmerksam zu machen, die nicht mit der eigenen Bank verbunden sind. Wer keine entsprechenden Auskünfte gibt, muss damit rechnen, dass die Bank eine Beratung verweigert.

Allerdings sind die Banken danach auch verpflichtet, Sie als Anleger im Hinblick auf Ihre Vorkenntnisse und Risikobereitschaft genauer einzuschätzen. So müssen Sie damit rechnen, künftig nach Ihrem Beruf, Ihrem Ausbildungsstand und Ihren Vermögensverhältnissen gefragt zu werden. Dies soll dazu dienen, Sie vor einem Beratungsgespräch besser einschätzen zu können.


Anlegerschutz greift nur eingeschränkt


Anlegerschützer kritisieren im Hinblick auf die MiFID mehrere Punkte: Zum einen, dass nur die Banken betroffen sind, die mit Wertpapieren handeln, also nicht auch freie Anlage- und Finanzvermittler. Zum anderen, dass Banken und andere Emittenten von Wertpapieren auch künftig nicht zu mehr Verbraucher- bzw. Anlegerschutz verpflichtet sind. Dazu kommt, dass nur bankengehandelte Wertpapiere Gegenstand des Gesetzes sind. Vom Gesetz unberührt bleiben die oftmals viel riskanteren Finanzprodukte des grauen Kapitalmarktes, beispielsweise geschlossene Fonds.


Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass nach wie vor Sie als Bankkunde eine eventuelle Falschberatung beweisen müssen und nicht etwa die Bank. Zudem kann auch die MiFID nicht verhindern, dass Ihnen Produkte verkauft werden, die Sie bei näherer Betrachtung doch nicht wollten, weil sie sich als für Sie ungeeignet erweisen.


Eine weitere Taktik von Banken hat darin bestanden, sich nach Beratungsfehlern in die Verjährung hinüberzuretten. Dabei half den Instituten, dass es dank ihrer Lobby beim Gesetzgeber gelungen war, alle Schadenersatzansprüche wegen falscher Anlage- oder Vermögensberatung auf nur noch drei Jahre zu begrenzen. Ermöglicht worden ist das durch die Neufassung des § 37a Wertpapierhandelsgesetz.


Den Start ins Jahr 2005 konnten die deutschen Banken deshalb besonders feiern. Denn: Damit sind alle Altansprüche verjährt, die vor 2002 entstanden waren. Viele Banken haben alles getan, um sich über diese Zeit zu retten. So wurde versucht, Betroffene zu vertrösten und darauf verwiesen, dass die Sachverhaltsaufklärung viel Zeit erfordere. Wer sich auf dieses Spiel eingelassen und seine Ansprüche 2004 nicht gerichtlich geltend gemacht hat, ist zwangsläufig in die Verjährungsfalle getappt.


Zudem: Den wenigsten Anlegern war bekannt, dass die 3-jährige Verjährungsfrist bei Wertpapieren mit dem Kauf der Papiere zu laufen beginnt. Das hat das Landgericht Berlin Ende 2003 entschieden (Az. 21 O 118/03). Selbst viele Rechtsanwälte hatten das anders gesehen, weil sie auf den Zeitpunkt abstellen wollten, zu dem die Verluste eingetreten sind, also der Anleger den Schaden erstmals wahrgenommen hat. Geschieht das, hat die Verjährungsfrist aber bereits zu laufen begonnen. Dieser Rechtsauffassung hat sich bei Wertpapierhandelsgeschäften inzwischen auch der Bundesgerichtshof angeschlossen (Az. XI ZR 170/04).


Allerdings können auch „nicht anlegergerechte Folgeberatungen“ für sich Schadenersatzansprüche auslösen. Dann hat die Verjährungsfrist erneut zu laufen begonnen. Nur in extremen Hinhaltefällen haben Schadenersatzklagen trotz Verjährung Aussicht auf Erfolg. Etwa wenn einer Bank „unzulässige Rechtsausübung“ nach § 242 BGB vorgeworfen werden kann. Dazu für Sie dieser Fall:


Eine Rentnerin hatte ihre Ersparnisse aus 40 Jahren ausschließlich in Festgeld angelegt. Bis September 2000 war ein Betrag von 80.000 DM zusammengekommen. Dann schichtete sie auf Anraten einer Bankfiliale in den Uni-Power-Portfolio II um. Per Auszug vom 31. März 2002 stellte sie fest, dass von ihren Ersparnissen nur 2.996,68 € übrig geblieben waren.


Von Mai bis September 2003 wurde sie durch Zwischenbescheide der Bank hingehalten. Mit Ablauf der Verjährungsfrist entschuldigte sich die Bank für die „doch sehr lange Bearbeitungszeit“. Schadenersatz lehnte sie unter Hinweis auf die allgemeine Börsenentwicklung jedoch ab. Nach Ansicht von Rechtsanwälten ist das ein klarer Fall unzulässiger Rechtsausübung.