Was Sie über Anleihen wissen sollten


Retten Sie Ihr Geld vor der Politik, den Banken und dem grauen Kapitalmarkt


Auszug aus der Sonderveröffentlichung von Dr. Erhard Liemen
"Das Kartell der Vermögens-Vernichter"

 

 


Anleihen sind Schuldverschreibungen, in denen Staaten, Banken oder Industriekonzerne Zins- und Tilgungszahlungen versprechen. Die Laufzeit von Anleihen beschreibt den Zeitraum zwischen dem Tag der Ausgabe und der vollständigen Rückzahlung des Nennwerts. Man unterscheidet zwischen kurzfristigen Laufzeiten von unter zwei Jahren sowie mittel- und langfristigen Schuldverschreibungen. Als Entgelt erhält der Anleiheanleger eine Verzinsung. Meist sind es laufende Zinsausschüttungen. Erfolgt nur eine Ausschüttung am Ende der Laufzeit, handelt es sich um so genannte Null-Kupon-Anleihen oder Zero-Bonds.


Die meisten Anleihen werden an den Börsen gehandelt. Sie unterliegen damit auch Kursschwankungen, geprägt von den erwarteten Zinsentwicklungen. So zeigt sich an der Höhe und dem Trend der kurzfristigen Zinsen – z. B. für 3-monatiges Festgeld –, ob die Notenbanken viel oder wenig Geld in die Wirtschaft pumpen. Viel Geld heißt sinkende Zinsen. Das soll die Wirtschaft stimulieren. Geschieht das zum falschen Zeitpunkt oder wird dadurch die Inflation angefacht, müssen die Notenbanken bald erneut auf die Bremse treten und wieder zu Zinserhöhungen schreiten. Wenn die Zinsen von einem hohen Niveau her zu sinken beginnen, ist das ein optimaler Zeitpunkt, stark in lang laufende Anleihen einzusteigen. Derzeit sollten Sie eher kurze Laufzeiten bevorzugen.


Anleihen notieren gewöhnlich in Form eines Prozentwerts. Dieser zeigt an, wie viel Prozent des Nennwerts (Rückzahlungskurs) beim Kauf des Papiers aktuell zu zahlen sind. Je länger die Laufzeit einer Anleihe ist, desto stärkeren Kursschwankungen ist diese ausgesetzt. Mit der Folge, dass im Fall eines vorzeitigen Verkaufs auch mit Anleihen Verluste möglich sind. Behalten Sie die Anleihen bis zum Laufzeitende, schaden Ihnen zwischenzeitliche Kursschwankungen nicht. Erwerben Sie Anleihen in Zeiten steigender Zinsen, lässt das zwar die Rendite dieser Anleihen unberührt. Nur: Sie sollten nichts verschenken. Steigen die Zinsen lange Zeit weiter, werden Ihnen neu herausgegebene Anleihen eine bessere Rendite bieten. Das wiederum bedeutet, dass alte Anleihen mit niedrigen Zinsen trotz guter Qualität im Kurs sinken. Was bei einem vorzeitigen Verkauf für Sie nachteilig wäre.


Anleihen minderer Qualität fallen im Kurs noch tiefer. Besonders gefährdet sind die Anleihen von Unternehmen oder wirtschaftsschwachen Staaten. Liegt in diesen Fällen bereits eine Überschuldung vor, führt der Zinsanstieg schnell zu Schwierigkeiten. Schulden können nicht mehr bedient werden. Im schlimmsten Fall droht der Bankrott. So gehen Sie bei der Auswahl der Papiere am sinnvollsten vor:


Schauen Sie zunächst auf den Zinskupon


Bei der Auswahl einer Anleihe werden Sie zunächst fast immer auf die versprochenen Zin­sen, den sogenannten Zinskupon, schauen. Die Zinsen orientieren sich stets an dem Niveau, das der Kapitalmarkt vorgibt: In Hochzinsphasen sind sie höher, in Niedrigzinsphasen – wie derzeit immer noch – fallen sie dagegen meist weniger großzügig aus. Neben dem Niveau am Kapitalmarkt spielt aber auch die Zahlungsfähigkeit (Bonität) des Emittenten eine Rolle. Als Faustregel gilt: Je höher das Risiko eines Zahlungsausfalls, desto höher der Zinskupon.


Beachten Sie zudem den aktuellen Kurs der Anleihe


Wie andere Wertpapiere schwanken auch Anleihen im Kurs. Der Kurs einer Anleihe wird stets in Prozent ausgedrückt (100 % = Nominalwert). Er richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage – und damit der Kurs – steigt also, wenn eine Anleihe mehr Rendite abwirft als eine andere Geldanlage mit vergleichbarem Risiko. Üblicherweise schwanken Anleihekurse längst nicht so stark wie Aktienkurse. Kursausschläge nach unten gibt es vor allem dann, wenn bekannt wird, dass der Emittent in Zahlungsnöte geraten ist oder geraten könnte. Im Zuge der US-Hypothekenkrise wurden aber viele sichere Anleihen zu Unrecht in Sippenhaft genommen – mit dem Ergebnis, dass sie derzeit unter dem Nominalwert (also bei­spielsweise bei 98 %) notieren. Bei Anleihen, die Sie bis zum Fälligkeitstermin halten, kann Ihnen der Kurs egal sein: Zurückgezahlt wird immer der Nominalwert (= 100 %), und darauf bezieht sich auch der Zinskupon.


Ein steuergünstiges Anleihe-Schnäppchen machen Sie, wenn Sie eine Anleihe unter dem Nominalwert kaufen: Sie erhalten mehr Zinsen, als der Zinskupon es ausdrückt, denn dieser bezieht sich ja auf den Nominalwert und nicht auf den aktuellen Kurs, zu dem Sie die Anleihe kaufen.


Beispiel:


Sie kaufen eine Anleihe mit Zinskupon 6 % zum Kurs von 98 %. Dann erhalten Sie, bezogen auf den wahren Kurs und damit auf Ihren Kapitaleinsatz, bis zur Fälligkeit in jedem Jahr eigentlich 6,12 % Zinsen, also etwas mehr. Dazu kommt: Am Schluss werden 100 % ausgeschüttet; Sie bekommen also zusätzlich noch etwa 2 % Rendite als Kursgewinn geschenkt.


Kaufen Sie nie eine Anleihe, ohne das Rating zu beachten


Eine Anleihe ist nur so gut wie ihr Emittent. Ob Unternehmens- oder Staatsanleihen: Schauen Sie stets auf die Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Denn wenn dieser die Anleihe nicht mehr bedienen kann, nützt Ihnen auch der höchste Zinskupon nichts: Ihr Geld ist dann unwiederbringlich verloren. Daher sollten Sie stets vorher einen Blick auf das Rating werfen und niemals eine Anleihe ohne Rating kaufen. Die beiden wichtigsten, international renommierten Rating-Agenturen sind Moody’s sowie Standard & Poor’s (S&P). Ein AAA-Rating zeigt erstklassige Zahlungssicherheit an, ab B wird es schon sehr kritisch.


Studieren Sie den Emissionsprospekt auf Sonderbedingungen


Bei manchen Anleihen gibt es Sonderbedingungen, die aus dem Emissionsprospekt hervorgehen. Die beiden wichtigsten sind:

  • Vorzeitiges Kündigungsrecht. Dann steht es dem Emittenten frei, die Anleihe vor dem eigentlichen Tag der Fälligkeit zu einem bestimmten Termin zurückzuzahlen. Üblich ist in solchen Fällen allerdings meist eine Rückzahlung über dem Nominalwert (beispielsweise zu 102,5 %), um den Anleger für die Zinsausschüttungen zu entschädigen, die ihm bei vorzeitiger Rückzahlung entgehen.
  • Variable Verzinsung, die sich während der Laufzeit ändern kann: Auch unter den Unternehmensanleihen gibt es Papiere, deren Verzinsung von bestimmten Bedingungen abhängt, etwa vom Rating (höhere Zinsen bei Herabstufung), vom Verschuldungsgrad (je geringer die Eigenkapitalquote, desto höher die Zinsen) oder von der Eigentümerstruktur (höhere Zinszahlung bei grundlegenden Änderungen).

Legen Sie stets Wert auf hohe Liquidität (große Börsenumsätze) einer Anleihe


Kaufen sollten Sie nur Anleihen, die liquide sind, also einen hohen Börsenumsatz aufweisen. Zwar können Sie theoretisch bis zur Fälligkeit warten, um Ihr Geld am Ende zurückzubekommen. Aber auf diese Weise sichern Sie sich ab, falls sich das Ausfallrisiko deutlich erhöht. Berücksichtigen Sie nur solche Anleihen, die täglich in großer Stückzahl an der Börse gehandelt werden. Die Börsenumsätze (und alle relevanten Informationen zu einer Anleihe) veröffentlicht beispielsweise die Börse Stuttgart auf ihrer Internet-Seite www.euwax.de.


Zum Kauf von Anleihen


Statt einer Stückzahl geben Sie beim Anleihenkauf lediglich den Nominalbetrag an, also den Betrag, den Sie in die betreffende Anleihe investieren wollen (das gilt auch bei Online-Brokern, bei denen das betreffende Feld „Stückzahl“ oder „Anzahl“ lautet). Aber aufgepasst: Oft gibt der Emittent einen Mindestanlagebetrag und eine bestimmte Stückelung vor.


Wer Anleihen kauft, muss Stückzinsen entrichten, wer Anleihen verkauft, erhält sie. Stück­zinsen sind Zinszahlungen im Voraus, die der Anleihenkäufer zeitanteilig an den Vorbesitzer einer Anleihe entrichtet. In der Regel ist bei Anleihen die Börse Stuttgart der Handelsplatz Ihrer Wahl. Er bietet traditionell eine hohe Liquidität und attraktive Kaufbedingungen.