Wer Geld am grauen Kapitalmarkt investiert, muss sich über die Risiken klar sein


Retten Sie Ihr Geld vor der Politik, den Banken und dem grauen Kapitalmarkt


Auszug aus der Sonderveröffentlichung von Dr. Erhard Liemen
"Das Kartell der Vermögens-Vernichter"

 

 


Bisher bin ich ganz überwiegend auf Wertpapiere eingegangen, die wie Aktien und Anleihen an den Börsen gehandelt werden und damit einem reglementierten Markt unterliegen. Das hat für Sie den weiteren Vorteil, diese Papiere jederzeit über die Börse wieder verkaufen zu können. Für viele durchaus beliebte Anlageformen gilt das jedoch nicht.


So gibt es Zigtausende von Finanzdienstleistern, die am grauen Kapitalmarkt mit verschiedensten Angeboten locken. Die in Aussicht gestellten Renditen sind oft verlockend. Die damit verbundenen Risiken werden jedoch häufig kleingeredet, ebenso wie die hohen Nebenkosten.


Die vertriebenen Produkte sind bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht allenfalls meldepflichtig. Das öffnet Missbrauch Tür und Tor und kann bis hin zum Betrug gehen. Hier hilft Ihnen auch die EU-Richtlinie MiFID nicht. Denn: Für geschlossene Fonds gilt sie nicht.


Wissen sollten Sie auch, dass am grauen Kapitalmarkt viele Berater nur auf hohe Provisionen aus sind. Statt, wie behauptet, neutral zu beraten, wird hinter dem Rücken des Anlegers kräftig abkassiert. So sind beim Verkauf von Immobilienfonds Vermittlungsprovisionen von 10 % keine Seltenheit. Unternehmensbeteiligungen können dem Berater sogar 15 % einbringen. Da auch die Initiatoren kassieren, kann bis zu einem Viertel des eingezahlten Geldes von den sogenannten weichen Kosten aufgefressen werden. Sie sollten sich deshalb immer eine gesunde Portion Misstrauen bewahren.


Besonders groß ist das Risiko, wenn man Sie dazu bringt, riskante Finanzgeschäfte über angebliche Profis abwickeln zu lassen. Oft fehlt diesen die erforderliche Erlaubnis, derartige Transaktionen überhaupt durchführen zu dürfen. Nur in solchen Fällen kann das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht einschreiten und die Abwicklung von Finanz-Kommissionsgeschäften untersagen.


Auf derartige Firmen hereingefallene Anleger haben kaum Aussichten, ihr Geld zurück­zubekommen. Zwischenzeitlich ist es unseriösen Anbietern meist gelungen, allein durch die hohen Gebühren für jede durchgeführte Transaktion abzukassieren. Durch dieses sogenannte Churning ist der Großteil des Einsatzes vernichtet.


Selbst erfolgreiche Schadenersatzklagen bringen Geschädigten nichts, wenn die Gesellschaften insolvent sind und die Drahtzieher unauffindbar bleiben. Immer wieder wird deshalb vor unseriösen Anbietern am grauen Kapitalmarkt namentlich im Deutschen Wirtschaftsbrief gewarnt.


Phoenix Kapitaldienst und Leipzig-West: Nur die krassesten Fälle


Bereits mehrfach hatte ich im DeutschenWirtschaftsbrief den Betrugsskandal im Fall Phoenix Kapitaldienst aufgegriffen. Der Hintergrund:


Rund 30.000 Anleger wurden um Anlagebeträge von gut 500 Mio. € geprellt. Allein im Zeitraum Juli 2004 bis Januar 2005 erwischte es knapp 7.000 Anleger, die insgesamt etwa 123 Mio. € angelegt hatten. Der Betrug erfolgte in der Form, dass den Investoren (darunter auch viele Kleinanleger) falsche Renditeversprechen gemacht wurden. Anstatt in „profitable Börsentermingeschäfte“ steckten die Angeklagten einen Großteil des investierten Geldes in die eigene Tasche oder ließen es in dunklen Kanälen verschwinden. Die angeblichen Termingeschäfte mit Rohstoffen und Aktienindizes waren zum großen Teil frei erfunden.


Bei Phoenix handelt es sich um ein Wertpapierhandelsunternehmen, das wie ein Kreditinstitut unter Bankenaufsicht steht, sich jedoch nicht mit Einlagengeschäften befasst. Wertpapierhandelsunternehmen tätigen ausschließlich Wertpapiergeschäfte oder erbringen Finanzdienstleistungen wie etwa Anlagevermittlung. Solche Unternehmen sind in Deutschland der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) angeschlossen. Diese Einrichtung soll besonders die Ansprüche von Kleinanlegern sichern. Das Ziel ist, 90 % der ausstehenden Forderungen abzudecken, jedoch maximal 20.000 €.


Mit rund 200 Mio. € sollte die EdW die Phoenix-Geprellten entschädigen. Dafür hatte sie jedoch nicht genug Geld in der Kasse. Mitgliedsunternehmen weigerten sich nachzuschießen. Die meisten Geschädigten warten deshalb noch immer auf ihr Geld. Wie beim Bankensicherungsfonds wurden daher auch hier die Jahresbeiträge erhöht, und zwar um das 3,5-Fache. Doch viele Wertpapierhandelsunternehmen und Vermögensverwalter sind damit nicht einverstanden und wollen dagegen klagen. Was darauf hinauslaufen dürfte, dass geschädigte Anleger von der EdW auch künftig wenig erwarten können.


Auch vor der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG hatte ich wiederholt gewarnt. Zu Recht. Denn: Die Gesellschaft hat im Juni 2006 vor dem Amtsgericht Leipzig Insolvenzantrag gestellt. Rund 27.000 Anleger stehen vor einem Totalverlust ihrer Kapitaleinlagen. Die Schadenssumme wird auf insgesamt 300 – 500 Mio. € beziffert. Noch bis kurz vor der Insolvenzantragstellung wurden massiv neue Anleger geködert. Als Hintergrund des Anlagebetrugs wird ein Schneeballsystem vermutet. Für diese Annahme sprechen Angaben in den Anleiheprospekten, wonach der Nettoerlös der Anleihe auch zur Ablösung bisher ausgegebener Inhaber-Teilschuldverschreibungen dienen könne.


Ähnlich wie bei den Leipzigern ist es bei der DM Beteiligungen AG/Düsseldorf gelaufen. Auch hier hatte ich vor einem Schneeball-System und hoffnungsloser Überschuldung gewarnt. Der Drahtzieher und Hauptaktionär war bei beiden Gesellschaften derselbe.


Je höher die in Aussicht gestellten Gewinne, desto größer das Betrugs­risiko


Dazu ein Fall, über den ich im Sommer 2009 berichtete. Es ging um eine Firma Real Estate & Oil. Inc. mit angeblichem Hauptsitz im US-Bundesstaat Oregon. Das Unternehmen bot für eine Beteiligung in Höhe von 5.000 € an der Börse gehandelte Genussscheine an. Nach einer in Aussicht gestellten Wandlung werde die Wertsteigerung über 33.000 € betragen. Begründet wurde der versprochene Zuwachs mit dem Besitz von Ölfeldern gigantischen Ausmaßes. Indes:


Gestartet hat der Handel in Frankfurt mit einer Notierung von über 80 €. Das war im Spätsommer 2008. Zuletzt ist der Kurs auf 3 Cent gefallen. Im Klartext: Wer hier eingestiegen ist, hat Totalverlust erlitten. Anwälte raten zur Strafanzeige wegen Betrugs. Dennoch dürften Geschädigte wohl keinen Cent wiedersehen.


Ich warne: Beispiele dieser Art werden sich in ähnlicher Form und unter anderem Namen wiederholen. Die Internet-Auftritte solch er Firmen sind besonders eindrucksvoll aufgemacht. Alles sieht seriös aus. Aber: Geschäftstätigkeit und Internationalität sind bloß vorgegaukelt. Dahinter stecken lediglich Scheinadressen. Büroservice-Unternehmen wickeln die Geschäfte ab, die Hintermänner bleiben unsichtbar. Achtung: Da der Genussscheinmarkt so gut wie nicht reguliert ist, lädt er Betrüger geradezu ein.


Unterschätzen Sie nicht die unternehmerischen Risiken geschlossener Fonds


Bei geschlossenen Fonds handelt es sich um unternehmerische Beteiligungen. Die Initiatoren sammeln Kapital ein, das dann in bestimmte Objekte investiert wird. Das können beispielsweise Immobilien, Schiffe, Windkraftanlagen oder auch Filme sein. Geschlossene Fonds werden meist als Kommanditgesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH & Co. KG) konzipiert. Dabei werden die Kommanditanteile an der Gesellschaft über einen bestimmten Platzierungszeitraum zum Verkauf angeboten. Ist die geplante Eigenkapitalquote erreicht, wird der Fonds geschlossen.


Die Anlage ist langfristig. Die Anleger binden sich über die gesamte Laufzeit der Beteiligung. Börsenhandel oder tägliche Preisfeststellung wie bei Investmentfonds existieren hier nicht. Anteile können nur über den Zweitmarkt, z. B. an der Börse Hamburg, abgegeben werden – wenn sich dort ein Käufer findet.


Geschlossene Fonds wurden in der Vergangenheit oft als Steuerstundungsmodelle eingesetzt. Diese Möglichkeit hat der Gesetzgeber inzwischen weitgehend eingeschränkt. Solche Beteiligungen rechnen sich deshalb nur, wenn sie eine überdurchschnittliche Nachsteuer-Rendite erzielen können. Dafür werden oft steuerliche Besonderheiten der einzelnen Anlagegüter genutzt. Also etwa bei Schiffen die Tonnagesteuer oder bei Immobilien die Abschreibung.


Unterstellt das Finanzamt dem Fonds fehlende Gewinnerzielungsabsicht, gehen die erhaltenen Steuervorteile nachträglich verloren. Ein nicht unerheblicher Anteil von geschlossenen Immobilienfonds in Ostdeutschland hat sich als Bumerang für die Anleger erwiesen. Noch schlimmer hat es aber die Zeichner von Medienfonds erwischt:


Immer mehr Medienfonds werden zum finanziellen Super-GAU


Da sich mit diesen Fonds hohe Provisionen verdienen ließen, wurden sie auch von vielen Geschäftsbanken vertrieben. Es handelt sich dabei um geschlossene Fonds, mit denen Film- und Fernsehproduktionen finanziert werden. Der Anleger trägt mit seiner Investition zur Finanzierung bei und soll am Einspielergebnis beteiligt werden. Ein wesentliches Motiv für den Anleger war dabei häufig die sogenannte Verlustzuweisung. Um das zu begrenzen, wurde prompt der Gesetzgeber tätig.


Medienfonds, als steuerliche Wunderwaffe angepriesen, haben jedoch meist gefloppt. In einer Reihe von Fällen haben sich die Initiatoren als unseriös erwiesen. So wurde der Initiator des VIP-Medienfonds 4 zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Das OLG München hat die Prospekte, die die Grundlage des Vertriebs bildeten, als fehlerhaft eingestuft (Az. 5 U 3700/07). Die vertreibende Commerzbank wurde deshalb verurteilt, die Beteiligung rückabzuwickeln.


In zig anderen Fällen laufen ebenfalls Klagen. Oft ist nicht nur das eingesetzte Kapital verloren. Es drohen zudem erhebliche Steuernachzahlungen. Selbst erhaltene Ausschüttungen sind möglicherweise zurückzuzahlen. So wird etwa den Victory Medienfonds vorgeworfen, Zinseinnahmen an nicht berechtigte Anleger anderer Fonds ausgeschüttet zu haben. Von Medienfonds habe ich im Deutschen Wirtschaftsbrief seit Auflegung der ersten Fonds immer wieder abgeraten und auch vor den steuerlichen Risiken gewarnt.


Geschlossene Immobilienfonds müssen ihre Ausschüttungen streichen


Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat es vor allem die Fonds erwischt, die vor der Krise in Länder mit Preisverfall investiert haben. Also etwa in Großbritannien, Spanien oder den USA. Zur Falle werden die Beleihungssätze. Dazu aus dem Deutschen Wirtschaftsbrief 37/09:


»In Kreditverträ gen ist üblicherweise vereinbart, wie hoch die Beleihung sein darf. Für Sie ein Beispiel: Der Euroselect 14 Fonds hat über die Bonner Immobiliengesellschaft IVG in die „Londoner Gurke“ investiert. Deren Wert ist von 600 Mio. auf 470 Mio. Pfund gefallen. Dem stehen 473 Mio. Pfund Kredite gegenüber. Der Beleihungsgrad beträgt damit über 100 %. Laut Kreditvertrag dürfen es jedoch nur 67 % sein.Folge:


In vestoren werden so lange keine Ausschüttungen erhalten, bis die Marke von 67 % wieder erreicht ist. Ä hnlich sieht es auch bei anderen Fonds aus, bei denen gemäß Kreditverträgen die Beleihungssätze niedrig sind. Angelockt wurden Anleger mit Steuervorteilen, die Ausschüttungen bei Auslandsbeteiligungen bieten. Jetzt fallen diese Ausschüttungen aus. Nur wenige Zeichner sind bereit, noch weiteres Kapital zuzuschießen. Die Restrukturierung der Fondsfinanzen wird Anleger in vielen Fällen noch Nerven kosten.«


Sind Sie auf geschlossene Fonds hereingefallen, ist Hopfen und Malz aber noch nicht immer verloren. Denn:


Vertreiber geschlossener Fonds müssen Sie auf die unternehmerischen Risiken hinweisen


Diese erfreuliche Rech tsprechung bestätigt jetzt das Oberlandesgericht Frankfurt/M. Für Sie kurz der Fall: Ein Anlageberater hatt e einen geschlossenen Immobilienfonds als sichere Altersvorsorge empfohlen. Der Fonds entwic kelte sich durch Mietausfälle jedoch schlecht er als angekündigt und geriet in Schieflage. Die Anlegerin klagte wegen Falschberatung und hatte damit Erfolg (Az. 10 U 105/06). Das OLG:


Der Erfolg des Fon ds hänge regelmäßig davo n ab, ob die Immobilie solvente, bonitätsstarke Mieter habe. Er könne deshalb nicht ohne Weiteres als sichere Altersvorsorge empfohlen werden. Ein w eiterer Aspekt: Geschlossene Fonds sind meistens nur schwer liquidierbar. Auch darauf müssen Berater hinweisen. E benso wie auf das mögliche Risiko eines Totalverlustes sowie auf eine persönliche Haftung der Zeichner. F azit: Wer hier einsteigt, sollte sich über die Ausfallrisiken und den spekulativen Charakter informieren.


Sicherlich gibt es Beteiligungsmodelle, die sich auch für Anleger als lukrativ erweisen. Das können auch aus steuerlichen Gründen beispielsweise Schiffsbeteiligungen sein. Hier gibt es eine Vielzahl seriöser und erfahrener Anbieter. Deren Leistungsbilanzen reichen teils Jahrzehnte zurück. Jedoch sollten Sie selbst bei zweifelsfrei gegebener Seriosität mit Ihrem Steuerberater abklären, ob es sich für Sie wirklich lohnt, solche Investitionen einzugehen. Denn:


Sie tragen dann nicht nur das unternehmerische Risiko, wenn in einer Rezession die Frachtraten einbrechen. Auch die Laufzeit solcher Bindungen ist lang, und vorzeitige Ausstiegsmöglichkeiten setzen einen wirklich funktionierenden Zweitmarkt voraus. Ansonsten ist das Verlustrisiko groß. Handelt es sich um steuerbegünstigte Kapitalanlagen, sind möglicherweise auch erhaltene Steuervorteile zurückzuerstatten.


Geschlossene Fonds sind durch die Einlagensicherung nicht geschützt. Mangelnder wirtschaftlicher Erfolg kann je nach Rechtsform der Fonds zu einer Nachschusspflicht führen. Das gilt vor allem für GbR-Fonds. Bei den üblichen KG-Fonds haften die Zeichner „nur“ mit der Einlage. Die Haftung kann jedoch gemäß § 172 HGB wieder aufleben, wenn es zu Ausschüttungen kam, die nicht kaufmännisch erwirtschaftet wurden.