Wie sicher Ihr Geld bei den Banken ist


Retten Sie Ihr Geld vor der Politik, den Banken und dem grauen Kapitalmarkt


Auszug aus der Sonderveröffentlichung von Dr. Erhard Liemen
"Das Kartell der Vermögens-Vernichter"

 

 


Wenn Sie Ihr Erspartes einer Bank anvertrauen, erwarten Sie zu Recht höchstmögliche Sicherheit, auch im Fall einer Bankenpleite. Die Finanzkrise hat dieses Vertrauen erschüttert. Für Verunsicherung hat insbesondere die Insolvenz der isländischen Kaupthing Bank gesorgt.


Das Kreditinstitut hatte auch in Deutschland um das Geld von Anlegern geworben. Mehr als 30.000 Deutsche ließen sich von den hohen Zinsen anlocken. Denn: Einlagen waren durch die isländische Entschädigungseinrichtung bis zu Beträgen von gut 20.000 € geschützt. Bei den isländischen Banken waren jedoch so hohe Schulden aufgelaufen, dass die Regierung Anfang Oktober 2008 die Verstaatlichung der drei größten Kreditinstitute beschloss. Die Bedienung der Ansprüche aus dem Einlagenfonds wurde im Januar 2009 um weitere drei Monate verschoben. Trotz Einlagenschutzes kamen die Anleger zwischenzeitlich nicht an ihr Geld. Schon im Mai 2008 hatte ich im DeutschenWirtschaftsbrief Nr. 22 wie folgt gewarnt:


Trotz der Top-Zinsen sollten Sie bei der isländischen Kaupthing Bank kein Geld anlegen


5,65 % Zinsen auf Tagesgeldkonten sind zweifellos attraktiv. Auch die Seriosität der Bank steht außer Frage. Der Knackpunkt ist aber die Einlagensicherung. Nach isländischem Recht sind Anlegern nur 20.887 € garantiert.


In Frage zu stellen ist jedoch die Werthaltigkeit. Die isländischen Banken stehen unter massivem Druck. Die US-Kreditkrise hat das Land hart getroffen. Die Währung hat zuletzt dramatisch an Wert verloren. Hedge-Fonds spekulieren darauf, dass die isländischen Banken kollabieren könnten.


 →  Sollte diese Rechnung aufgehen, beträfe ein Kollaps der Banken zwangsläufig auch den Sicherungsfonds. Island hat nur etwa 300.000 Einwohner. Ausfälle in Milliardenhöhe könnte der Staat schwerlich verkraften. Ich rate deshalb davon ab, überhaupt bei der Kaupthing Bank zu investieren.

Staatsgarantien sollen Ihnen Sicherheit bieten


Einlagensicherung ist Gesetz. Die Banken aller EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, die Gelder ihrer Kunden für den Fall abzusichern, dass die Kreditinstitute in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Zwei Richtlinien, die in jedem EU-Land umgesetzt waren, hatten vorgeschrieben, dass das Sparguthaben eines jeden Bankkunden bis zu einer Höhe von mindestens 20.000 € gesichert ist.


Als Folge der Finanzkrise ist die gesetzliche Einlagensicherung in allen EU-Staaten im Sommer 2009 auf zunächst 50.000 € erhöht worden. Ab 2010 sind es 100.000 €. Auch die bisherige Selbstbeteiligung von 10 % ist entfallen. Die Frist für Auszahlungen ist per Gesetz auf höchstens 30 Tage begrenzt worden. In der Schweiz wurde die Einlagensicherung von 30.000 sfr auf 100.000 sfr angehoben. Ist Ihr Geld bei jedem Kreditinstitut absolut sicher und jederzeit verfügbar, wenn Sie es brauchen? Beurteilen Sie das selbst, wenn Sie die folgenden Informationen verarbeitet haben.


Die Erhöhung der gesetzlichen Einlagensicherung ist zu begrüßen. Denn: Wenn eine Bank zum Insolvenzfall wird, haftet Ihnen der Staat. Diese Haftung gilt in Deutschland auch für ausländische Banken, die hier mit eigenen Gesellschaften tätig sind. Nur Niederlassungen ausländischer Banken sind davon ausgenommen.


Soweit es sich um Banken mit Sitz in der EU handelt, ist Ihr Geld durch die EU-weite Einlagensicherung geschützt. Bei einer Insolvenz müssten Sie sich im Falle einer Auslandsgarantie jedoch meist mit einer fremden Sprache herumschlagen. Die Ansprüche sind in einem fremden Rechtssystem geltend zu machen. Zudem dürfte die Entschädigung von Ausländern mit mehr Zeit und Aufwand verbunden sein als bei Inländern. Das gilt es zu bedenken, wenn Sie ausländischen Banken Geld anvertrauen. Ein weiterer Aspekt:


Das Risiko, dass ein Land mangels Leistungsfähigkeit seine Garantiezusagen nicht erfüllt, ist mit Blick auf die „alten“ EU-Staaten vermutlich sehr gering. Anders kann es jedoch bei kleineren Ländern mit niedriger Bevölkerungszahl, geringem Bruttoinlandsprodukt oder extrem hoher Staatsverschuldung sein. Nichts gegen die neuen EU-Mitglieder. In Sachen Werthaltigkeit der Einlagensicherungsgarantien sollten Sie aber selbst entscheiden, ob Sie Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen oder Polen uneingeschränkt vertrauen.


Einlagensicherungsfonds sollen Ihr Erspartes zusätzlich absichern


Über die gesetzliche Regelung hinaus existieren zusätzliche Einlagensicherungssysteme. Diese schützen auch größere Geldsummen bis zu 100 %. Beim Einlagensicherungsfonds handelt es sich um ein freiwilliges Sicherungssystem der Banken zum Schutz von Kundengeldern bei einer Insolvenz.


Private Banken, die dem Einlagensicherungsfonds angehören, zahlen in diesen jährlich einen bestimmten Betrag ein. Dessen Höhe ist abhängig vom Geschäftsvolumen und der Bonität der Bank. Beim freiwilligen Sicherungsfonds für private Banken gibt es eine sehr hohe Sicherungsgrenze, die bei 30 % des Eigenkapitals der jeweiligen Bank liegt. Je nach Kreditinstitut bewegt sich diese vollständig abgesicherte Summe im ein- bis dreistelligen Millionenbereich. Indes:


Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise 2008 hatten die deutschen Privatbanken gerade einmal 4,8 Mrd. € in den Fonds eingezahlt. Das ist erschreckend wenig und wäre im Falle einer größeren Insolvenz nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Gesetzgeber hat die Banken deshalb seit dem Sommer 2009 verpflichtet, verdoppelte Beträge in den Fonds einzuzahlen.


Öffentliche Kreditinstitute wie Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Genossenschaftsbanken besitzen eigene mehrstufige Absicherungssysteme. Auch dadurch sollen Ihre Einlagen in voller Höhe abgesichert werden. Die Sparkassen sind beispielsweise dem Sicherungssystem der Deutschen Sparkassen Organisation angeschlossen. Falls es bei einem Institut zu Problemen kommt, springen die anderen ein. Indes: Ob die volle Absicherung tatsächlich für alle Kunden funktioniert, würde sich erst bei einem größeren Schadensfall zeigen. Wie bei den Privatbanken können Sie auch hier nicht absolut sicher sein.


Legen Sie Wert auf bestmögliche Risikovermeidung, sollten Sie größere Geldbeträge aufteilen. Und zwar dadurch, dass Sie sich für Kreditinstitute in unterschiedlichen Verbundsystemen entscheiden.


Welche Sparguthaben die Einlagensicherung erfasst


Ihre Einlagen sind dann gesichert, wenn es Guthaben sind, die auf Ihren Namen lauten (Namensschuldverschreibungen). Diese dürfen also nicht handelbar sein. Das sind

  • Girokonten (sogenannte Sichtgelder),
  • Sparbücher und -briefe,
  • Termineinlagen und Tagesgeldkonten.

Achtung: Nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung fallen dagegen

  • Inhaberschuldverschreibungen wie Zertifikate und Anleihen, wenn deren Emittent in Insolvenz geht,
  • Einlagen, die nicht auf Euro oder die sonstige Währung eines EU-Mitgliedsstaats lauten.

Ihre Wertpapiere sind sicher


Im Zusammenhang mit Wertpapieren in Ihrem Depot greift die Anlegerentschädigung i n der gleichen Höhe wie die Einlagensicherung. Beachten Sie: Diese Regelung kommt nur zum Tragen, wenn die in Geldnot geratene Bank nicht in der Lage ist, Anlegern ihre Wertpapiere zurückzugeben, die sie verwahrt oder verwaltet.


Das dürfte aber nur der Fall sein, wenn die Bank widerrechtlich über die Papiere verfügt, also ohne Zustimmung des Kunden Wertpapiere verkauft und den Erlös unterschlägt. Denn: Wenn eine Bank Aktien oder Rentenpapiere verwaltet oder auch (heute allerdings nur noch selten) verwahrt, bleiben die Papiere doch im Eigentum des Bankkunden. Somit haben weder Gläubiger der Bank noch sonst jemand Zugriff auf die eben erwähnten Wertpapiere. Auch wenn die Bank in Geldnot gerät, kann sie solche Papiere trotzdem jederzeit zurückgeben.


Fonds sind als Sondervermögen geschützt


Bei Fonds und Exchange Traded Funds (ETFs) besteht für Sie kein Risiko im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft oder der dahinter stehenden Bank. Denn: Fondseinlagen sind Sondervermögen. Die Anteile bleiben stets Ihr Eigentum, Gläubiger erhalten im Insolvenzfall darauf keinen Zugriff.


Wo Sie weitere Informationen bekommen


Banken haben Informationspflichten. Jede Bank ist gesetzlich verpflichtet, Sie im Preisaushang zu informieren,

  • zu welcher Entschädigungseinrichtung sie gehört,
  • in welcher Höhe Ihre Einlagen abgesichert sind und
  • in welchem Umfang die Sicherung erfolgt (z. B. bis zu 90 % der Einlage).

Neukunden muss die Bank explizit auf ihre bankeigenen Sicherungsvorkehrungen hinweisen!


Auskünfte über die Höhe der Einlagensicherung eines Kreditinstituts geben:

  • der Bundesverband deutscher Banken in Berlin
    (www.bdb.de, Tel.: 030 1663-0),
  • der Verband öffentlich-rechtlicher Banken in Deutschland
    (www.voeb.de, Tel.: 030 8192-0),
  • die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn
    (www.bafin.de, Tel.: 0228 4108-0)